Ein Porträt von Menschen, die Farbe im Raum schätzen, mit der IACC Akademie verbunden sind und überzeugt von der Bedeutung von Farbigkeit in öffentlichem Raum, Architektur, Design und unserer gebauten Umgebung.
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Angelika Walthert
„Als bildende Künstlerin sprudelt es in mir von Ideen, Intuition und Kreativität. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass ich die Wahrnehmung und psychologische Wirkung von Farbe auf den Menschen tiefer ergründen möchte – ebenso die Zusammenhänge zwischen Farbe, Raum und menschlicher Wahrnehmung“.
Was hat dich dazu bewogen eine Ausbildung an der IACC-Akademie zu absolvieren?
„Die Ausbildung an der IACC-Akademie vermittelte mir dafür wissenschaftlich fundiertes Wissen, das meine Arbeit bis heute begleitet. In der freien Kunst arbeite ich konzeptgebunden, aber intuitiv; bei Kunst und Bau schwingen die Kenntnisse aus der Ausbildung mit. Besonders für Konzepte zu Farbe und Materialität in der Architektur hat sie mein Wissen bereichert und unterstützt mich dabei, gestalterische Entscheidungen mit klarer Haltung und Sicherheit zu treffen.“
An welche Inhalte der IACC-Seminare erinnerst du dich besonders gerne – und was hat sie für dich so wertvoll gemacht?
„Besonders prägend waren für mich die Seminare, in denen Wahrnehmungspsychologie, Physiologie, Licht, Farbe und Raum in einen ganzheitlichen Zusammenhang gestellt wurden. Sie haben gestalterische Fragen wissenschaftlich beleuchtet und aufgezeigt, wie Farben, Kontraste, Materialien und Licht auf Orientierung und Wohlbefinden wirken. Dieses Wissen hat mein Verständnis für Farbe im architektonischen Kontext vertieft und mir ein methodisches Fundament gegeben, um Konzepte analytisch und nutzerbezogen zu entwickeln.“
Du hast deine Ausbildung an der IACC-Akademie im Jahr 2009 mit einer Diplomarbeit zum Thema „Farbe und Stadtbild“ abgeschlossen. Hat sich dein Blick auf Farbe und Gestaltung seit deinem Abschluss verändert?
„Ja, mein Blick hat sich seit dem Abschluss deutlich erweitert. Die Diplomarbeit zum Thema ‚Farbe und Stadtbild‘ hat mir bewusst gemacht, wie stark Farbe im öffentlichen Raum Identität, Orientierung und Atmosphäre prägt. Heute betrachte ich Farbe noch stärker im Zusammenhang mit dem jeweiligen Ort: seiner Geschichte, Architektur, Nutzung, Lichtstimmung und den Menschen, die sich darin bewegen.“
Hat die Ausbildung deine beruflichen Möglichkeiten erweitert oder neue Tätigkeitsfelder eröffnet?
„Ja, absolut. Meine tiefe Auseinandersetzung mit der freien Kunst, Kunst-und-Bau-Projekten sowie den gestalterischen Arbeiten steht in ständiger Wechselwirkung. Das fundierte Wissen aus der Ausbildung, das technische Know-how und das Verständnis für Bauabläufe geben mir die nötige Fachsprache im Dialog mit Architekturbüros, Bauherrschaften und Behörden.
Dies hat mir vielseitige Tätigkeitsfelder eröffnet – über unterschiedlichste Thematiken im architektonischen Aussenraum bis hin zu komplexen Raumaufgaben im Innenbereich. Seit geraumer Zeit widme ich mich zudem intensiv der Schnittstelle von Kunst sowie Gestaltung und Raum in Gesundheitsbauten. So entsteht im Moment eine neue malerische Werkserie, die diesen komplexen Fragen auf den Grund geht. Inmitten der schnellen Entwicklung digitaler Bildwelten nehme ich mir bewusst Zeit für die substanzielle Auseinandersetzung: Healing Architecture und Healing Art sind äusserst vielschichtige Themenfelder, denen ich mich aktuell und auch in Zukunft spezifisch widme – mit dem Ziel, die tiefen Zusammenhänge von physischem Raum, Materialität, malerischer Kunst und Gesundheit greifbar zu machen.“
Welche Reaktionen erlebst du bei deinen Kundinnen und Kunden, wenn du Farbkonzepte entwickelst?
„Oft erlebe ich im Entwicklungsprozess eine spürbare Entlastung und wachsende Sicherheit. Wenn Bauherrschaften oder Architekturbüros merken, dass Farb- und Materialentscheidungen nicht auf zufälligem Geschmack beruhen, sondern auf nachvollziehbaren Kriterien und einer präzisen Kontextanalyse basieren, nimmt das die Unsicherheit aus dem Projekt.
Besonders geschätzt wird die kontinuierliche Prozessbegleitung: Aus einzelnen Parametern entsteht Schritt für Schritt eine schlüssige Gesamtstimmung. Wenn diese Atmosphäre am Ende im realen Raum spürbar wird – oft weit über das hinaus, was vorher auf Plänen oder Mustern vorstellbar war -, ist die Freude und das Vertrauen immer wieder sehr berührend.“
Welches deiner Projekte liegt dir besonders am Herzen oder war besonders herausfordernd – und warum?
„Es gibt viele Projekte, die mir am Herzen liegen. Ein besonderes ist die Glaskunst der Südfassade für die Kapelle der St. Anna-Schwestern in Luzern.
Hier ging es darum, das feinsinnige Leben und die Kontemplation im Inneren der Kapelle mit dem architektonischen Aussenraum zu verbinden. Durch die Schichtung der Gläser, die gezielte Lichtbrechung und das Spiel der Spektralfarben entfaltet der Raum je nach Tages- und Jahreszeit einen ganz eigenen Zauber. Das Licht wird zum lebendigen, transformierenden Material – ein Moment, in dem Kunst, Architektur und spirituelle Tiefe vollkommen ineinandergreifen.“
Wie wichtig war der Austausch mit den anderen TeilnehmerInnen in Salzburg und hast du heute noch Kontakt zu deinen Seminar KollegInnen?
„Der Austausch mit den anderen Teilnehmenden in Salzburg war ungemein bereichernd. Durch die unterschiedlichen fachlichen Hintergründe brachten alle eigene Perspektiven ein, was unsere Diskussionen über Farbe und Raum enorm vertieft hat.
Aus dieser Zeit sind wertvolle Verbindungen entstanden: Zu einigen Mitstudierenden besteht bis heute ein inspirierender Kontakt und kollegialer Austausch – so treffen wir uns seit 2005 tatsächlich jedes Jahr zu einem gemeinsamen Wiedersehen.“